Amalthéa


Amalthéa

AMALTHÉA, æ, Gr. Ἀμάλθεια, ας, des Melisseus, Königes in Creta, Tochter, Didymus ap. Lactant. Instit. lib. I. c. 22. oder, nach andern, eine Nymphe, Hygin. Astron. Poët. lib. II. c. 13. empfieng mit der Themis von der Ops den jungen Jupiter, ihn aufzuziehen, welches sie denn auch mit der Milch einer Ziege, die sie hatte, ins Werk richtete. Hyg. l. c. & Eratosth. Catasteris. 13. Einsmales aber zerbrach dieselbe ihr Horn an einem Baume, welches denn Amalthea aufhob, mit frischen Kräutern umwand, und voller Früchte dem kleinen Jupiter brachte, der denn hernach solches nebst ihr unter die Sterne versetzete, Ovid. Fast. V. 115. wo es unter diesem Namen noch steht. Strauch. Astrognos. §. 149 p. 81. Man hält daher die Nymphe auf einigen geschnittenen Steinen, welche den Ueberfluß in dem Horne bewundert, welches sie trägt, für die Amalthea. Wilde Gem. sel. ant. XXXVI. pag. 30. Gorlæi Dactyl. T. I. n. 148. Andere hingegen wollen, daß Amalthea selbst die Ziege gewesen, aus deren einem Horne Ambrosia, aus dem andern aber Nectar geflossen, Apollod. lib. I. c. 1. §. 3. & Schol. Callimach. ad Hymn. in Iovem. v. 49. Jupiter aber eines davon des Melisseus Töchtern zur Dankbarkeit gegeben, aus welchem sie alles nehmen, oder schütten können, was sie nur verlanget, welches denn das berühmte Cornu Amalthéæ, oder, wie es sonst noch mehr genannt wird, Cornu Copiæ, das Füllhorn, ist. Jedoch wollen auch einige, daß Mercurius solches dem Herkules mit auf den Weg gegeben, da er des Geryons Rinder holen wollen, Hesych. in Ἀμαλθειας κέρας, s. p. 69. wobey noch andere besagte Amalthea zu einer Africanerinn machen, mit welcher Ammon seine Liebeshändel gehabt, und ihr zur Dankbarkeit ein Stück Landes gegeben, welches gedachten Namen bekommen, weil es nicht nur ungemein fruchtbar gewesen, sondern auch selbst die Gestalt eines Hornes gehabt habe. Diod. Sicul lib. III. c. 68. Noch andere geben sie für ein artiges Frauenzimmer bey den Thespiern aus, mit der Herkules seine Händel gehabt. Weil sie nun ihr Geld in einem Horne aufbehalten, und, wenn Herkules was nöthig gehabt, es aus selbigem genommen, so habe man es für ein Horn gehalten, aus welchem man nehmen könne, was man nur wünsche Palæph. c. 46. Allein, wiederum andere halten sie für des Hämonius Tochter, die ein Ochsenhorn gehabt, aus welchem einer von Essen und Trinken haben können, was er verlanget, welches Horn denn Achelous ehemals dem Herkules für das gegeben, welches ihm dieser in ihrem Zweykampfe mit einander, abgebrochen. Apollod. lib. II. c. 7. §. 5. Dagegen halten viele selbst des Achelous Horn für das Füllhorn, deuten es auch nicht unfüglich auf dasjenige Stück Land, welches Herkules durch Verstopfung des einen Stromes des Achelous, der für das eine Horn desselben gehalten wird, zuwege gebracht, weil solches dermaßen gut und fruchtbar gewesen, daß alles reichlich darauf gewachsen, was sich die Menschen nur zu ihrem Unterhalte wünschen können. Diod. Sicul. lib. IV. c. 35.


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