Perithovs [1]

Perithovs [1]

PERITHOVS, i, Gr. Πειριθόος, ου, ( Tab. XIV.)

1 §. Aeltern. Nach einigen war sein Vater selbst Jupiter; Hom. Il. Β. 741. & Ξ. 317. Pausan. El. pr. c. 10. p. 305. & Schol. Apollon. ad l. I. v. 101. nach andern aber Ixion, König der Lapithen; Apollod. l. I. c. 8. §. 2. seine Mutter aber Dia, des Dioneus Tochter. Hygin. Fab. 155. & ad eum Muncker. l. c. Den Namen soll er von περιθεῖν, herumlaufen, haben, weil sich Jupiter in ein Pferd verwandelt und um die Dia herumgelaufen, ehe er ihn mit ihr gezeuget. Didym. ad Hom. Il. Α. v. 263.

2 §. Thaten und Schicksal. Er half das kalydonische Schwein mit erlegen. Apollod. l. I. c. 8. §. 2. Hernach gieng er unter den Argonauten mit nach Kolchis. Hygin. Fab. 14. Doch sagen andere ausdrücklich, er sey nicht dabey gewesen, weil er damals mit dem Theseus in der Hölle gefangen gehalten worden. Apollon. I. 103. Cf. Burm. Catal. Argon. Er heurathete darauf die Hippodamia. Diod. Sic. l. IV. c. 67. p. 189. Auf seinem Beylager befanden sich unter andern die Centauren und Lapithen, und zwar von jenen insonderheit Eurytus, von diesen und andern aber vornehmlich Theseus. Ovid. Met. XII. v. 215.–535. Hesiod. Scut. Herc. v. 179. Als sich nun die Centauren ziemlich betrunken hatten, so machten sie sich über das gegenwärtige Frauenzimmer her. Eurytus ergriff selbst die Braut bey den Haaren, ein anderer faßte eine andere, worauf sich denn die Lapithen und übrigen Gäste derselben annahmen. Es schlug also zuförderst Theseus den Eurytus nieder, da es denn an ein grausames Würgen gieng, bis endlich die Centauren übermannet wurden, und theils auf dem Platze blieben, theils die Flucht nahmen. Ovid. Hes. ll. cc. Zu diesem Unwesen gab Mars Ursache, weil Pirithous alle Götter, außer ihm, mit zu seinem Beylager gebethen hatte; daher er zur Rache den Grimm unter die Gäste schickte, der denn dieses Unheil anfieng. Virgil. Aen. VII. v. 304. & ad eum Serv. l. c. Dieses Gefecht war in dem Alterthume so berühmt, daß man es in dem Tempel des olympischen Jupiters zu Elea abgebildet sah. Pausan. El. prior. c. 10. p. 305. So war es auch zu Athen durch den Phidias und Parrhasius vorgestellet. Plin. H. N. l. XXXVI. c. 5. Es waren aber Theseus und Pirithous sonst gar sonderbare gute Freunde, Hygin. Fab. 257. und zwar waren sie auf diese Art zusammen gerathen. Pirithous hatte vieles von den sonderbaren Thaten des Theseus gehöret, und suchte daher mit ihm bekannt zu werden. Er machte sich also nach Attika, und trieb dem Theseus einige Rinder von Marathon hinweg, da denn dieser den Pirithous sogleich verfolgete. Als solcher es gewahr wurde, so gieng er ihm selbst entgegen; und, da sie zusammen kamen, so verwunderte sich einer über des andern gutes Wesen. Es gab auch Pirithous dem Theseus so fort seine Rinder wieder, und erboth sich zu billiger Strafe, die ihm aber Theseus willigst erließ. Dagegen stiftete er eine ganz genaue Freundschaft mit ihm, und fand sich daher bey dessen Hochzeit mit ein. Plutarch. in Thes. c. 35. p. 14. T. I. Opp. Als einige Zeit hernach Hippodamia starb, so begab sich Pirithous zum Theseus nach Athen, dessen Gemahlinn auch gestorben war. Sie wurden daher einig, die Helena zu Sparta zu rauben, und thaten es auch. Nachdem sie dieselbe nach Athen gebracht, so warfen sie das Loos, wer sie von ihnen behalten sollte, machten aber dabey sofort mit aus, daß der andere dem, der sie nicht bekäme, auch eine Gemahlinn sollte verschaffen helfen. Da nun Helena dem Theseus durchs Loos zufiel, so verlangete Pirithous, es sollte ihm Theseus behülflich seyn, des Pluto Gemahlinn, Proserpina, zu entführen. Nun suchte ihm zwar Theseus solches auszureden: da er aber nichts damit ausrichtete, so machten sie sich beyde in die Hölle. Hier wurden sie sogleich in die Bande geleget, und Pirithous, als der Angeber des Raubes, mußte daselbst gefangen bleiben, als Herkules dem Theseus wieder loshalf. Diod. Sic. l. IV. c. 65. p. 184. Sie stiegen aber beyde durch das tänarische Vorgebirge in dieselbe hinab, und wurden so fort, als sie dem Pluto auf sein Anfragen zu verstehen gegeben, was sie wollten, von den Furien niedergeschlagen. Hygin. Fab. 79. Cf. Apollon. l. I. v. 101. & ad eum Schol. l. c. Insonderheit wurde Pirithous mit drey hundert Ketten gebunden. Horat. l. III. Od. 4. v. 79. Es war zwar Herkules hernach bemühet, auch ihn zu befreyen: allein, da die Erde zu beben anfieng, als er es thun wollte, so unterließ er es. Apollod. l. II. c. 5. §. ult. Jedoch, wie einige wollen, daß beyde in der Hölle verbleiben müssen: also geben auch andere vor, daß sie Herkules beyde wiederum befreyet habe. Nur soll er nach einigen von der Proserpina, und nach den andern, von dem Pluto, ihre Loslassung erbethen haben. Ap. Diod. l. c. Hygin. l. c.

3 §. Gemahlinn. Diese war, nach einigen, Hippodamia; Hom. Il. Β. 742. Diod. Sic. l. IV. c. 65. p. 184. oder wie sie auch genannt wird, Hippodame; Ovid. Met. XII. v. 216. nach andern aber Deidamia; Plutarch. in Thes. p. 14. T. I. Opp. und nach den dritten Ischomache; Propert. l. II. El. 2. v. 9. von deren einer er den einigen Sohn, Polypötes, hinterließ. Apollod. l. III. c. 9. §. 8.

4 §. Verehrung. Diese bestund in einem Heldendenkmaale, welches ihm, nebst andern, zu Athen errichtet wurde. Pausan. Att. c. 30. p. 58.

5 §. Eigentliche Historie. Diese kann überall ihre Richtigkeit haben, außer was seinen Raub der Proserpina anbetrifft. Allein, wenn Pluto an sich niemand anders, als ein König in Thesprotien gewesen, so läßt sich auch leicht verstehen, wie das anzunehmen sey, was dießfalls vorgegeben wird. Es machten nämlich Theseus und er ihren Anschlag auf dessen Gemahlinn, und überzogen daher denselben mit offenbarem Kriege, in welchem sie geschlagen und gefangen wurden; Pausan. Att. c. 17. p. 30. oder sie kamen auch nur als ein Paar Waghälse allein dahin, und wurden verrathen, und, ihrer Absicht gemäß, bestrafet. Virgil. Aen. VI. v. 397. Einige wollen, daß sie nicht so wohl auf die Proserpina, als deren und des Aidoneus, oder so genannten Pluto, Tochter, die Kora, ihren Anschlag gemacht, die auch ihr Vater einem jeden zu geben versprochen, wenn er den Sieg gegen seinen Hund, den Cerberus, behaupten würde. Da nun Theseus und Pirithous die Prinzessinn nicht auf diese Art zu erlangen, sondern sie zu entführen gesucht, so habe Aidoneus beyde gefangen nehmen und den Pirithous alsofort dem Cerberus vorwerfen und ihn also zerreißen lassen, den Theseus aber gefangen aufbehalten. Plutarch. in Theseo. c. 37. p. 15. Nach andern verstund sich Pirithous mit dieser schönen Tochter des Pluto, oder Ades, eines Königes der Molosser, daß er sie bey Nacht entführen sollte. Ades aber wurde davon benachrichtiget, und ließ an ihre Kammerthüre seinen Hund binden, den man wegen seiner ungeheuren Größe Tricerberus nannte. Da nun Pirithous kam, sein Vorhaben auszuführen, so wurde er von diesem Hunde angefallen, und getödtet. Proserpina eilete ihm zu Hülfe, wurde aber ebenfalls zerrissen; daher denn die Rede entstanden, daß sie vom Pluto geraubet und in die Hölle geführet worden. Suidas in v. Κόρη, T. II. p. 349.


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